Das Kloster: Zisterzienserkloster und sein Grundriss

Endlich mal wieder ein Beitrag zu Architektur- lang ist’s her! Dieses mal geht es um Klöster, v.a. um den Grundriss eines Zisterzienserklosters, welchen ich exemplarisch am Kloster Maulbronn bennenen und erklären werde.

Einen Klostergrundriss zu beschriften war übrigens ein Teil meiner Einführungsklausur in die Architektur, es ist also lohnenswert sich den Grundriss einzuprägen. Bei den Zisterzienserklöstern ist es glücklicherweise (meistens) so: Kennt ihr einen, kennt ihr sie alle. Dazu aber später mehr.

Zunächst einmal die Frage: Was ist eigentlich ein Kloster und was haben Klausuren damit zu tun?

Ein Kloster (lat.: claustrum ~ verschlossener Ort) ist eine abgeschlossene Anlage für Nonnen bzw. Mönche. Die Klausur ist der Teil des Klosters, der nur für die Mönche/Nonnen zugänglich ist. Im Folgenden möchte ich auf den Aufbau der Klausur eingehen. Die Räume auf die ich hier eingehen werde, sind auch in anderen Klöstern vorhanden, diese lassen sich aber aufgrund ihrer wiederkehrenden Anordnung an einem Zisterzienserkloster gut darstellen.

Der Grundriss eines Zisterzienserklosters am Beispiel von Maulbronn:

Zisterzienser Kloster Grundriss Maulbronn
Kloster Maulbronn: Grundrissplan der Klausur (Quelle: verändert nach Wikimedia Commons| Public Domain) Durch Klick zum Original mit direkter Beschriftung

 1. Sanktuarium
Das Sanktuarium ist der heilige Raum der Kirche, der zur Gemeinde hin offen ist. Hier befinden sich der Altar und die besonderen liturgischen Gegenstände während der Messe. Aufbewahrt werden sie in der Sakristei (13.)

2. Mönchschor
Der Mönchschor ist der Bereich in dem die Mönche während der Messe sitzen. Er beherbergt das Chorgestühl (s.u.).

3. Konversenenchor
Der Konversenchor ist oftmals vom Mönchschor getrennt. Hier sitzen die Laien, die Nichtgeistlichen. Eine räumliche Trennung der beiden Chöre nennt man Chorschranke (nicht begehbar) oder Lettner (begehbar).

4. Vorhalle

5. Cellarium (Vorratskeller)
Das Cellarium ist der Vorratskeller des Klosters. Es ist meist ein Halbgeschoss unter Bodenniveau, man kann ihn also im Grundriss gut an der eingezeichneten Treppe erkennen.

6. Konversenrefektorium
Das Konversenrefektorium ist der Speisesaal der Laien und wird daher auch Laienrefektorium genannt.

7. (ehem.) Küche
Die Küche eines Klosters liegt meist diagonal zum Sanktuarium. Das hat den einfachen Grund, dass die Kochstelle samt den Gerüchen möglichst weit von der heiligen Stelle des Gottesdiensts entfernt sein sollte.

8. Herrenrefektorium
Das Herrenrefektorium ist der Speisesaal der Herrenmönche. Vom Kontroversenrefektorium (6.) ist das Herrenrefektorium am Besten durch seine Lage zu unterscheiden: Das Herrenrefektorium befindet sich im Normalfall gegenüber des Brunnenhauses (16).

9. Kalefaktorium (Wärmeraum)
Das Kalefaktorium ist der einzige beheizte Raum eines Klosters. Beheizt wird er durch eine Unterbodenheizung, die sog. Hypocaust. Im Boden befinden sich große Löcher, durch die die Wärme aufsteigen kann.

10. Großer Keller
Nicht immer vorhanden (in Klausur bei mir z.B. irrelevant).

11. Bruderhalle
Zur Nutzung der Bruderhalle ist nicht viel überliefert. Er war wohl eine Art Gemeinschaftsraum, in dem geredet werden konnte, gelesen wurde oder Handarbeiten gefertig wurden.

12. Kapitelsaal/ Kapitelhaus
Der Kapitelsaal ist sozusagen das Rathaus des Klosters. Hier wird Recht gesprochen und Verhandelt. Auf einem Grundriss ist der Kapitelsaal durch seine Öffnung, meist durch Arkaden, hin zum Kreuzhof zu erkennen. Zudem liegt er meist auf der Seite des Sanktuariums.

13. Sakristei
Die Sakristei schließt sich in der Regel dem Sanktuarium an. In ihr werden wichtige liturische Gegenstände und Gewänder aufbewahrt. Eine Sakristei befindet sich eigentlich in jeder Kirche, den Laien ist sie nicht zugänglich.

14. Kreuzgang
Der Kreuzgang bildet neben dem Kreuzhof (15.) das Kernstück eines Klosters. Er dient der Erschließung der einzelnen Räume oder als Raum für liturgische Gänge.

15. Kreuzhof

16. Brunnenhaus/ Lavatorium
Das Brunnenhaus ist ein meist runder oder polygonaler Bau, welcher sich in der Regel gegenüber des Herrenrefektoriums und in Anschluss an den Kreuzhof befindet. Das Brunennhaus diente den Mönchen zu liturgischen Waschungen wie etwa vor dem Mahl.

Weitere wichtige Räume eines Klosters wären:

Dormitorium
Der Schlafraum der Geistlichen, in welchem alle Nonnen oder Mönche schliefen. Später entwickelte sich das sog. Zellendormitorium, in dem jeder Geistliche seinen eigenen kleinen Raum hatte, wie der Name schon sagt, glichen diese Schlafunterkünfte eher Zellen als eigenen Zimmern.

Nachttreppe
Die Nachttreppe führt von der Kirche hoch in das Dormitorium.

Chorgestühl
Das Chorgestühl dient den Mönchen als Sitzgelegenheit während der Messe. Es besteht aus Holzbänken mit klappbaren Sitzflächen.

Infirmarie
Die Infirmarie ist das Krankenhaus oder Hospiz eines Klosters. Hier werden kranke Mönche oder Nonnen gepflegt.

Armarium
Das Armarium ist eine Art Bücherschrank im Kloster. Es stammt aus der Zeit, in der sich die Bibliotheken in den Klöstern noch nicht durchgesetzt hatten. In einem Armarium bewahrten die Mönche also ihre Bücher und Schriften auf. Meist liegt das Armarium neben dem Kapitelsaal.

Auditorium
Im Auditorium wurden Lesungen gehalten, sowie Hand- und Schreibarbeiten angefertigt.

Parlatorium
Das Parlatorium ist gewissermaßen der Raum zur Außenwelt. Hier konnten die Mönche/Nonnen der Klausur mit Außenstehenden sprechen. Die Parlatorien sind teilweise vergittert, um eine räumliche Trennung beizubehalten.


Wie ihr vielleicht bereits in der Bildbeschriftung gesehen habt, ist der Grundriss im Original mit Beschriftungen (Link dazu hier). Ich habe mich aber in diesem Fall bewusst fur einen Grundriss mit Nummern entschieden. Nicht, weil ich zusätzliche Arbeit so toll finde, sondern weil ich einfach denke, dass es so einfacher ist zu lernen. Aus didaktischer Sicht und so.

Zu dem “Kennt ihr einen, kennt ihr sie alle”: Man kann ein Kloster je nach Himmelsrichtung „drehen und wenden“, der Aufbau der Zisterzienserklöster bleibt dennoch annähernd der gleiche. Der Kapitelsaal befindet sich so gut wie immer in derselben Himmelsrichtung wie das Sanktuarium. Bei einer geosteten Kirche ist der Kapitelsaal also wo? Genau, im Osten.

Das wars auch schon zum Zisterzienserkloster. Fallen euch noch andere Teile der Klausur ein die ich nicht berücksichtigt habe oder habt ihr Tricks, wie ihr euch die ganzen Räume merken könnt? Ich freue mich auf eure Kommentare!


Weitere Links zum Thema:

Hier findet ihr einen weiteren Grundriss eines Zisterzienser Klosters, zu dem Kloster Wörschweiler. Dort könnt ihr ja mal testen, wieviel von dem Gelesenen bei euch hängen geblieben ist!

Für alle, die mehr speziell zum Kloster Maulbronn lesen wollen ist hier eine PDF-Datei zum UNESCO-Welterbe über das Kloster Maulbronn.

Und hier gibt es noch einen “Virtuellen Rundgang durch ein idealisiertes Zisterzienserkloster” Bild und Beschriftung. Vielleicht noch einmal ganz nett zum durchklicken!

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