Fundwerk: Schneebedecktes Feld mit Egge (1890)

Von Vincent van Gogh (1835–1890) kennen wir Sonnenblumen, klare Sternennächte und spätsommerliche Felder. Während es bei uns schon eifrig schneit, habe ich nach anderen Arbeiten Ausschau gehalten. Denn in seinem Œuvre gibt es auch eine Handvoll winterliche Motive, wie das Schneebedeckte Feld mit Egge (1890) nach Jean-François Millet. Also schnappt euch einen Tee, Kaffee oder warmen Punsch: Es ist Zeit für ein Winter-Fundwerk!

Vincent van Gogh: Schneebedecktes Feld mit Egge (nach Millet), Januar 1890. 72,1 cm x 92 cm Öl auf Leinwand. Van Gogh Museum, Amsterdam (Inv.Nr. s0175V1962). Credits: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation).

Auf einem schneebedeckten Feld sind die Arbeiten des Spätsommers zum Stillstand gekommen. Eine im Schnee vergessene Egge und ein Pflug scheinen gemeinsam mit den laublosen Bäumen die Vergänglichkeit des Sommers zu mahnen. Im Hintergrund lässt sich eine Siedlung erahnen, in die sich die Menschen für die kalten Tage zurückgezogen haben. Die Landschaft scheint zu Ruhen, einzig ein Vogelschwarm belebt die in sich versunkene Szenerie.

Vincent van Gogh hat das Bild im Januar 1890 in Saint-Rémy-de-Provence gemalt. Während er wegen wiederkehrenden Episoden psychischer Krankheit dort in Behandlung war, arbeitete er nach Drucken anderer Künstler.

Das Vorbild

Jean-François Millet: Die Ebene von Chailly mit Egge und Pflug, 1862. Öl auf Leinwand, 60,3 cm x 73,6 cm. Belvedere, Wien (Inv.Nr. 2450). Quelle: Wikimedia Commons | Public Domain.

Das Gemälde Schneebedecktes Feld entstand nach dem Gemälde Die Ebene von Chailly mit Egge und Pflug (1862) von Jean-François Millet (1814–1875). Die Werke anderer zu kopieren war eine gängige Praxis. Durch das Studieren von verschiedenen Werken können Künstler:innen seit jeher die eigenen künstlerischen Fährigkeiten ausbauen.

Wenn wir die beiden Werke miteinander vergleichen, sehen wir das gut: Van Gogh gibt zwar das Motiv von Millet detailgetreu wieder, hat es aber in seinen eigenen Malstil übersetzt. Wir sehen den van Gogh typischen Personalstil, zum Beispiel den sichtbaren Duktus und den dicken Farbauftrag.

Van Gogh und Millet

Vincent van Gogh bewunderte viele Kunstschaffende. Vor allem in seiner Zeit in Paris besuchte er zahlreiche Museen und Ausstellungen. Auch durch seine familiäre Nähe zum Kunsthandel, in dem er zeitweise auch selbst arbeitete, bekam er viele Einblicke in die Kunstwelt und die Arbeiten seiner Zeitgenoss:innen. Ein besonders großes Vorbild für van Gogh war Jean-François Millet.

Seine Begeisterung für seine Kunst thematisiert er immer wieder in seinen Briefen an seinen Bruder Theo. Van Gogh war von Millets Verständnis von Natur und den Menschen im ländlichen Raum fasziniert. Vor allem auch von der Tiefe, die er in einfache Motive legt (siehe hierzu unter anderem die Briefe vom Januar 1890 und Mai 1890).

Ein weiteres Werk von Millet, Hirtin, könnt ihr euch bei diesem Fundwerk anschauen. Weitere 8 spannende Fakten über Vincent van Gogh findet ihr in diesem Beitrag.

Blick auf, in und hinter die Malschicht: Van Goghs Farben

Forscher:innen des Van Gogh Museums untersuchen van Gogh Werke und prüfen sie, im übertragenen Sinne, auf Herz und Nieren. Sie stellten fest, dass die Farben des Gemäldes zur Zeit seiner Entstehung viel kontrastreicher waren. Das betrifft nicht nur Vincent van Goghs Gemälde, sondern auch viele andere Kunstwerke.
Wer einen Ausflug in das Van Gogh Museum im winterlichen Amsterdam machen möchte, kann sich das Werk aktuell im Original schauen und die Farben vor Ort bewundern.


🤶 Diesen Beitrag habe ich in gekürzter Fassung übrigens auch auf meinem Instagram veröffentlicht. Er ist Türchen Nr. 9 des @Kunstladies Adventskalenders, wo bis Weihnachten täglich spannende Beiträge rund um das Thema Winterlandschaften gepostet werden – schaut vorbei!

Ich wünsche euch allen eine schöne und erholsame Weihnachtszeit <3

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